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Chronik der Baptistengemeinde Jever |
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Grab des Gemeindegründers |
Die Täuferbewegung
Bereits in der Reformationszeit finden wir neben den bekannteren Bewegungen um Luther, Calvin und Zwingli eine starke freikirchliche Strömung. Sie ist historisch nicht auf einen bestimmten Ort - wie z.B. Wittenberg, Genf oder Zürich - und schon gar nicht auf eine bestimmte Persönlichkeit zurückzuführen. Sie entstand in einer merkwürdigen Gleichzeitigkeit an verschiedenen Orten Europas und erfasste Menschen aus allen sozialen Schichten. Sie sind unter verschiedenen Namen in die Kirchengeschichte eingegangen. Man nannte sie Täufer (= Baptisten) bzw. Wiedertäufer (= Anabaptisten), Schwärmer, Hutterer (nach Hans Hut), Mennisten, bzw. Mennoniten (Menno Simons). Die meisten Anhänger dieser Strömung wurden im Europa der Reformationszeit grausam verfolgt. Viele ließen ihr Leben als Märtyrer.
Historische Daten
Hier einige Daten aus der Geschichte unserer freikirchlichen Gemeindebewegung: 1609 Gründung der ersten Baptistengemeinde in Amsterdam, 1611 Gründung einer Baptistengemeinde in England. Ihr Gründer Helwys wurde 1612 in London bei lebendigem Leibe verbrannt. 1639 Gründung der ersten amerikanischen Baptistengemeinde durch Roger Williams. Im Zuge einer großen Erweckungsbewegung wurden die Baptisten zu einer der größten protestantischen Denominationen der Vereinigeten Staaten. Ihr Wachstum hält bis heute an. 1834 Gründung der ersten deutschen Baptistengemeinde in Hamburg. Gründer ist der aus Varel stammende Kaufmann Johann Gerhard Oncken. Als Auszubildender hatte er in England Kontakt zu engagierten Christen gefunden und dann selbst eine Entscheidung für Jesus Christus getroffen. Er begann dier Bibel zu lesen und anderen von seinem Glauben zu erzählen. Als christlicher Buchhändler kehrte er nach Deutschland zurück. Im Hamburger Hafenviertel predigte er zu Seeleuten und baute mit Hilfe von Pastoren eine Sonntagsschule - Vorläuferin des heutigen Kindergottesdienstes - auf.
Johann Gerhard Oncken - 26. 01. 1800 - 02. 01. 1884
J. G. Oncken - Kaufmann und Kirchengründer
Johann Gerhard Oncken wurde am 26. Januar 1800 im Hause seines Großvaters, des Perückemachers Johannes Vaubel, in Varel Lange Straße geboren. An der Stelle seines Geburtshauses steht heute das Geschäftshaus Hruschka. Die Mutter Anna Elisabet Vaubel lebte bei ihren Eltern, weil der Vater ihres Sohnes sie verlassen hatte und nach England ausgewandert war. In einem Schreiben, das an den Pastor der lutherischen Gemeinde Varels adressiert war, erklärte sich Gerhard Oncken als Vater des Kindes. Oncken wächst vaterlos auf. Da seine Mutter für den Lebensunterhalt sorgen mußte, wuchs er unter der Obhut seiner Großeltern auf. Schon früh arbeitete er in der Gaststätte “Zum weißen Roß” (heute: Hotel Victoria) als Billardjunge und lernte hier den englischen Kaufmann John Walker Anderson kennen. Dieser nahm den aufgeweckten Jungen als Auszubildenden mit. - zunächst nach Hamburg und später nach Leith, einem Vorort von Edinburgh in Schottland. Während seiner kaufmännischen Lehre begleitete der junge Oncken seinen Lehrherrn auf vielen Reisen nach England, den Niederlanden und Frankreich. In England kam Oncken unter den Einfluß erweckter Kreise und kehrte als überzeugter Christ und Buchhändler nach Deutschland zurück. Er nahm seinen Wohnsitz in Hamburg und begann hier mit einer Missionstätigkeit unter Seeleuten und Kindern aus sozialschwachen Familien. 1824 gründete er mit einem evangelischen Pastor die sogenannte “Sonntagschule”, um die ärmsten Kinder sowohl im christlichen Glauben als auch im Lesen und Schreiben zu unterrichten. Diese Sonntagschule wurde zur Keimzelle des Kindergottesdienstes und der von Johann Heinrich Wichern begründeten “Inneren Mission”.
Barnas Sears
Onckens Taufe
Je mehr sich Oncken in das Studium der Bibel vertiefte, um so stärker bewegte ihn die Frage: Wie sieht eine neutestamentliche Gemeinde aus? Was sind ihre Kennzeichen? Warum wurden zur Zeit des Neuen Testaments nur Gläubige und keine Säuglinge getauft? Oncken kam in Kontakt mit einem baptistischen Pastor aus den Vereinigten Staaten und ließ sich mit sechs weiteren Personen 1834 in der Elbe taufen. Damit war die erste deutsche Baptsitengemeinde entstanden; sie wurde zur Keimzelle einer europaweiten Gemeindegründungsbewegung. Durch das intensive Studium der Bibel kam Oncken zu der Einsicht, dass eine christliche Kirche nur aus solchen Menschen bestehen kann, die sich persönlich für ein Leben in der Nachfolge Jesu Christi entschieden haben und sich aufgrund dieser Entscheidung taufen lassen. Eine Bindung der Kirche an den Staat, die sogenannte Ehe von Thron und Altar, hielt er für unbiblisch. 1834 ließ Oncken sich mit sechs weiteren Menschen vom amerikanischen Baptistenpastor Barnas Sears in der Elbe bei Hamburg taufen. Im Anschluß an die Taufe wurde die erste deutsche Baptistengemeinde gegründet und Oncken als ihr Ältester und Prediger berufen.
Oncken im Alter
Onckens Missionstätigkeit
In der Folgezeit entwickelte Oncken von Hamburg aus eine große Missionstätigkeit. Fast alle europäischen Baptistenkirchen haben in der Pionierarbeit Onckens ihre Wurzeln. Besonders stark entwikkelten sich die Baptistengemeinden im osteuropäischen Raum, wo “evangelisch” und “baptistisch” häufig identische Begriffe sind. Ein besonderer Freudentag für Oncken war die am 20.7. 1856 vollzogene Gründung einer selbständigen Baptistengemeinde in seiner Geburtsstadt Varel. Hier war ein Jahr zuvor auch die erste Zivilehe in Deutschland vollzogen worden. Getraut wurden damals der Baptistenpastor A. Haese und die Varelerin Meta Schütte. Dis dahin galt die staatskirchliche Trauung als die allein gültige Form der Eheschließung. Oncken starb am 2. Januar 1884 in Zürich. Vier seiner acht Kinder waren ihm im frühsten Alter vorangegangen. Seine Grabstätte, heute als hansestädtisches Ehrenmal gepflegt, findet sich auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg. Seine Heimatstadt Varel nennt ihn “einen ihrer bedeutendsten Söhne".
Tasse mit dem Bild der Baptistenkapelle in Jever - Erinnerungsgeschenk für Johann Gerhard Oncken und Julius Köbner anlässlich der Einweihung des Bethauses am 24. Oktober 1858, hergestellt in der Porzellanmanufaktur Jever
Die Baptistengemeinde in Jever
1840 Gründung der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Jever - damals nannte sie sich "Gemeinde gläubig getaufter Christen", später "Baptistengemeinde" - durch Johann Gerhard Oncken. 1858 Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde erbaut am Elisabethufer in Jever ihre Kirche. Sie wird bis heute zum Gottesdienst benutzt und ist die damit älteste noch in Gebrauch befindliche Baptistenkirche Deutschlands. 1990 feierte die Gemeinde mit vielen Vertretern des kirchlichen und öffentlichen Lebens ihr 150 jähriges Jubiläum.
Pastor Gregor Helms
1999 wird Gregor Helms als Gemeindepastor eingeführt. Er ist der 19. Jeveraner Baptistenprediger. Gleichzeitig betreut er als Missionsbeauftragter des Landesverbandes Nordwestdeutschland die Baptistengemeinden in Ostfriesland. Vorher war er mehrere Jahre lang Zeltevangelist des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland und danach Pastor der Kreuzgemeinde in Bremen. Er hat sich intensiv mit der Geschichte der Täuferbewegung und der deutschen Baptistengemeinden und ihrer führenden Persönlichkeiten beschäftigt und darüber zahlreiche Artikel in der freien Internet-Enzyklopädie Wikipedia geschrieben bzw. mitverfasst:
http://de.wikipedia.org/wiki/Baptisten
http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:GregorHelms




